Therapie mit Flüchtlingen

Traumatisierte minderjährige und erwachsene Migranten, Aussiedler und Flüchtlinge

Migration, Aussiedlung und Flucht sind immer schwerwiegende Familienprojekte, die bei jedem einzelnen Familienmitglied zu unterschiedlichen psychischen Belastungen führen können.

Besonders betroffen sind Kinder/Jugendliche, die traumatisierenden Erlebnissen (Hausdurchsuchungen, Verhören, Folter, Krieg, Flucht und Exil) ausgesetzt waren. Allerdings auch allein die Erfahrungen der Sprach- und Orientierungslosigkeit in der Fremde einer neuen Heimat können ebenfalls zu einer traumatisierenden Belastung reichen.

Und auch jene Kinder/Jugendliche, deren Eltern traumatisierende Ereignisse überlebt haben, die zu Migration, Aussiedlung oder Flucht geführt haben, worüber sie vor den Kindern nicht oder ständig reden, stehen in der Gefahr einer intergenerativen Traumatisierung.

Direkte oder indirekte Erlebnisse von Gewalt, Ablehnung, Fremdheit hinterlassen Spuren in der Seele von Kindern und Jugendlichen, die im Erwachsenenalter zu schwerwiegenden psychischen Störungen führen können.

Direkt oder indirekt traumatisierte Kinder und Jugendliche erleben wir zumeist wie andere Kinder auch.

Verhaltensauffälligkeiten, d.h. Hilferufe von Kindern aus anderen Kulturkreisen, werden oft ihren jeweiligen Entwicklungsstufen bzw. soziokulturellen Umstellungsschwierigkeiten zugeschrieben. Oder wir erklären sie uns, mit den uns fremden Erziehungsvorstellungen o.ä.,wodurch es zu zusätzlich stigmatisierenden Ausschlussverfahren kommt.

Die meisten haupt- und ehrenamtlich mit diesen Kindern und Jugendlichen beschäftigten Menschen sind nicht darauf vorbereitet, Zeichen einer möglichen Traumatisierung wahrzunehmen bzw. mit den Betroffenen entsprechend umzugehen. Andererseits ist es auch wenig hilfreich eine Traumatisierung festzustellen, um dann nicht zu wissen, welche Hilfestellungen notwendig und möglich sind.

Diese intuitive Einstellung wiederum schafft nicht selten eine Abwehrhaltung gegenüber dem Leid von Kindern und Jugendlichen, indem wir uns darin bestätigen, dass tatsächlich nur wenige Kinder von Traumatisierungen betroffen seien.

In der therapeutischen Arbeit mit Flüchtlingen braucht es Erfahrungen in der Arbeit mit unterschiedlichen Sequenzen traumatischer Erlebnisse wie Verfolgung, Flucht und Exil, sowie jeweils soziokulturelle Kenntnisse der Herkunftsländer, die Bereitschaft mit Sprach- und Kulturmittlern zusammen zu arbeiten, erweiterte Systemarbeit zu leisten (also Zusammenarbeit mit Jugendämtern, Sozialämtern, Schulen, Rechtsanwälten, Verfahrensberatern der Kirchen etc.).